Es gibt mehr als nur ein paar verdammt starke Freeride-Skifahrerinnen und -Skifahrer, die Neuseeland auf der Weltbühne stolz vertreten – aber Jess Hotter gehört ganz klar zu unseren Favoritinnen. Dürfen wir sagen, sie ist schliesslich ein Mons Girl. So furchtlos auf den Skiern wie im Alltag hat Jess schon immer Herzblut ins Skifahren gesteckt. Und kürzlich hat’s dabei ihr Knie komplett erwischt.
Im Februar 2026 hat sich Jess bei den Freeride World Champs eine üble Knieverletzung zugezogen. Saison vorbei – und dazu gefühlt jede Verletzung, die man sich an einem einzigen Körperteil nur vorstellen kann. Sechs Monate später haben wir mit der Legende persönlich gequatscht: über den Crash, die Zeit danach und ihre Reha bis jetzt.
Hey Jess, mega schön, dich hier zu haben. Magst du dich und deinen Ski-Background kurz vorstellen?
Ich bin Jess Hotter. Ich bin Freeride-Skifahrerin und war drei Saisons auf der Freeride World Tour unterwegs. 2022 habe ich sie gewonnen, und ich starte weiterhin an Wettkämpfen.
Kannst du uns erzählen, was dieses Jahr bei den FIS Freeride World Champs passiert ist?
Also dieses Jahr an den World Champs in Andorra habe ich mein Knie komplett zerlegt. Ziemlich bitter. Die Diagnose war: Kreuzbandriss, Innenbandriss, Meniskusriss, Knorpelschaden unter der Kniescheibe, ein hochgradiger Riss des MPFL – ich habe mir die Kniescheibe also wahrscheinlich gleichzeitig teilweise ausgerenkt. Dazu noch leichte Risse am LCL und PCL.
Also nicht gerade wenig los da drin.
Ja, da war ziemlich viel kaputt, haha.

Wie ging’s dir an dem Tag?
Grundsätzlich war ich an dem Tag mental eigentlich in einem ziemlich guten Zustand. Ich habe mich riesig aufs Fahren gefreut, und darauf bin ich echt stolz. Leider war es einfach ein unglücklicher Tag mit vielen Verschiebungen im Wettkampf. Es hatte Wolken im Face und wir konnten nicht direkt starten, also hiess es einen grossen Teil des Tages warten. Ich bin nicht so warm geblieben, wie ich es hätte sollen. Oben am Berg fühlte ich mich dann aber gut, hatte Spass und war total ready für den Drop, wie gesagt. Als ich reingefahren bin, fühlte ich mich super, mein Run machte richtig Laune und ich hatte eine gute Zeit. Leider habe ich beim letzten oder vorletzten Hit meinen Backflip überrotiert. Als ich versucht habe, das noch zu retten, damit ich nicht auf dem Rücken lande, ist mein ACL gerissen – und das war’s dann.
Hattest du schon mal eine Verletzung in diesem Ausmass?
Nein, so eine heftige Verletzung hatte ich noch nie. Das ist definitiv die schlimmste Verletzung, die ich je hatte. Ich bin eigentlich jemand, der Herausforderungen gern annimmt – aber das hier war ganz klar die grösste, mit der ich je konfrontiert war. Es gibt viele Hochs und Tiefs. Mental und körperlich. Und es ist hart. Wirklich hart. Du brauchst gute Leute um dich herum. Ohne die Menschen an meiner Seite hätte ich das nie geschafft.

Wie hast du dich gefühlt, als klar war, dass deine Saison vorbei ist?
Als ich wusste, dass mich das länger begleiten wird und dass ich den Winter nicht auf Skiern verbringen kann, hatte ich dieses Bild im Kopf: Ich sitze am See und schaue zu den Bergen hoch. Dorthin hat es mich dann irgendwie auch gezogen. Ich muss gleich weinen.
Es sind jetzt fast sechs Monate seit der Verletzung. Wie sieht dein Reha-Plan aktuell aus?
Für die nächsten vier oder fünf Monate sieht mein Reha-Plan so aus: Ich bin drei Tage pro Woche mit der Physio im Gym. Und zusätzlich mache ich noch weitere Sessions, bei denen es nicht ums Knie geht, sondern um den Rest meines Körpers. Jetzt sind wir sechs Monate nach der Verletzung, und ich merke, dass mir die Reha, die Übungen und das Ganze wirklich einen Grund geben, morgens aufzustehen – und das ist mega wichtig. Ich glaube, ohne das würde ich richtig kämpfen. Und ich weiss, dass ich immer auf etwas hinarbeite, auch wenn ich diese Veränderungen nicht jeden Tag sehe.

Was war bisher eine der grössten Herausforderungen?
Ich glaube, die grösste Herausforderung bisher war die Zeit nach der OP. Zwischen vier und sechs Wochen nach der Operation hat meine mentale Gesundheit einen richtig heftigen Einbruch erlebt. Ich konnte wegen der Schmerzen nicht schlafen, und das war wirklich, wirklich hart. Das war richtig hart, und ich musste mir dafür Hilfe holen.
Hat diese Verletzung deinen Blick auf den Sport verändert? Oder ganz generell aufs Leben?
Ich glaube, das Grösste, was diese Verletzung bei mir verändert hat, ist meine Sicht darauf, wie krass es eigentlich ist, den eigenen Körper überhaupt bewegen zu können. Und schon allein wieder Ski zu fahren – ich habe das Gefühl, ich kann mich extrem glücklich schätzen, wenn ich das wieder darf.

Unsere Proximity Activewear ist für Girls gemacht, die in den Bergen stark werden. Was bedeutet das für dich?
Ich glaube, stark in den Bergen zu sein, kann für verschiedene Menschen ganz Unterschiedliches bedeuten. Für mich heisst das aber nicht zwingend Skifahren, sondern Zeit in den Bergen zu verbringen. Das kann heissen, einen Berg hochzuwandern, einen Hügel hochzulaufen oder auf Skitour zu gehen. Genau das bedeutet es für mich am meisten. Es geht einfach darum, sich in den Bergen zu bewegen. Wenn ich an stark in den Bergen denke, denke ich daran, mich in den Bergen zu bewegen.
Gibt’s noch etwas, das du gern teilen möchtest?
Geniesst die kleinen Dinge. Zum Beispiel eine richtig gute Tasse Tee.
[Lachen]
